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Jungs gehen halt nur Kaffee trinken...

Autor: Dio | Datum: 05 November 2009, 08:32 | Kommentare deaktiviert

Hallo zusammen,

heute fange ich an mit einer kleinen Eintragung aus den Tagen vom 5. – 7. Oktober (Abschnitt 1). Wie ich im letzten Eintrag schon geschrieben hatte, hat das Kapitel "Anderer Weiterer Deutscher hier" an dem Donnerstag darauf, dem 8. Oktober angefangen.

Danach mache ich weiter mit meiner Zusammenfassung der letzten Woche (Abschnitt 2) sowie meiner Ankunft in Indonesien (Abschnitt 3)


--- Abschnitt 1 --- Geschrieben um den 7. Oktober

Ein großes Highlight dieser Tage war das erste Spiel von mir im tropischen Regen. Die Kinder lieben es. Nicht jeden Tag aber einmal im Monat im Regen Fußball, Basketball, Fangen oder eben eine Mischung aus allem zu spielen. Vorgestern jedenfalls ging es eher ums schwimmen. Wir haben hier durch die direkte Angrenzung an die "sawahr" (Reisfelder) jeweils Bäche entlang unseres Hofes und kleine künstliche Kanäle rund um die Häuser hier. Zusätzlich jedoch drei kleine "kolam ikan" (Fischteiche). Die Fische darin sind aber nicht zum angucken wie in Deutschland, sondern zum essen. Dienstag also wurde in diesen Fischteichen gebadet. Und wie stellt man sich das vor: irgendwann fängt das ganze an von Fußball zu fangen zu werden und der Reihe nach fallen zufälligerweise =) alle Kinder in den Fischteich. Ich im Nachhinein mit grober Kindergewalt eingeschlossen. Meine Sachen sind danach jedoch sauberer geworden, als ich erwartet hätte. Denn natürlich waren wir alle vollständig bekleidet! Auf alle Fälle sehr lustig. Dafür habe ich heute den schlimmsten Schnupfen seit zwei Wochen.

[Anmerkung heute zu Abschnitt 1: Das ist eine Weile her. Mittlerweile habe ich keinen Schnupfen mehr und auch im letzten Monat oder sonst keine Krankheitsanfälle gehabt.]


--- Abschnitt 2 --- Geschrieben heute

Die letzte Woche hat wieder einiges geändert. Zunächst wurde in der Woche, die ich in Sondiraya verbrachte (vom 19. bis zum 25. Oktober) hier im Kinderheim ein neuer Stundenplan eingeführt, der sich seitdem sehr bewährt und wirklich den Kindern einen guten Tagesablauf bietet. Seitdem jedoch habe ich für 29 Kinder mit 3 Computern ziemlich genau 5 Stunden die Woche Zeit ihnen Unterricht zu geben. Also musste ich völlig neu strukturieren und einen neuen Computerunterrichtsplan entwerfen. Das bedeutet jeweils 3 Kinder eine halbe Stunde und die größeren habe ich in Wochenschichten aufgeteilt, sodass ich auch mit ihnen jeweils alleine eine Stunde Internet lernen kann.

Durch eben diesen Stundenplan hat sich auch mein Leben hier verändert. Ich musste mich erst an den Plan gewöhnen und meine Zeit genauso danach richten. Aber auch für mich finde ich diese Einteilungen nicht schlecht.

Ich rede die ganze Zeit von dem Plan. Ja, ich schreibe ihn euch…

Er sieht wie folgt aus:

5 Morgenandacht; 5-6 Morgenarbeiten erledigen: Fegen, Sauber machen, Frühstück kochen, Duschen, Schuluniform anziehen; 6-6.30 Frühstück und Ich wache auf; 6.30-7 Älteren Kinder für die Schulen SMP und SMA nehmen den Bus; 7.00 Jüngere Kinder für die Schule SD holen ihren Rucksack, spielen ein bisschen auf dem Hof und machen den Abwasch vom Frühstück; 7-13 Schulzeit (Ich: Wäsche waschen, Bügeln, Hof und Gartenarbeit, Lernen, Lesen, Weiterschlafen, Deutschunterricht geben,  Kochen, Müll sammeln, In die Stadt fahren etc.); 13 Mittagessen; 13.30-14 Orientierung der Hausaufgaben und anfangen zu bearbeiten; 14-15 Mittagsruhe und Schlafzeit; 15-18.30 Gartenarbeit, Computerunterricht (nur Mo, Di, Fr, Sa 15-16), Englischunterricht (nur Mi, Do 16-18), Freizeit; 18.30-7 Abendessen; 7-9 Abwaschen, Hausaufgaben; 9 Nachtruhe

Sonst war das letzte Wochenende, was es hier eigentlich nicht gibt, weil die Kinder sechs Tage die Woche zur Schule gehen, recht anstrengend, aber gut. Freitag und Samstag gutes Fußballspielen im Regen mit den Kids. Grätschen funktioniert super mit nasser Fläche ohne wirklich große Schrammen und Wunden. Hat sehr Spaß gemacht. Hat aber dennoch blaue Flecken, kaputte Füße und Wunden hinterlassen. Die haben sich dann am Sonntag bemerkbar gemacht. Sonntag bin ich auf ein Fest zur Einweihung einer neuen Kirchenregion gefahren. Das war in der nähe von Seribudolok und heißt Sinar Baru. Das Fest war soweit super. Habe mich gut mit jugendlichen Mädels unterhalten. Jungs sind nie zugegen. Ich habe dann mal gefragt wieso. Die Antwort (übersetzt): Wenn sie überhaupt beim Gottesdienst dabei sind, gehen sie direkt wieder nach Hause und trinken Kaffee, und trinken Kaffee, und trinken Kaffee… (Hä?)

Wie auch immer es waren keine da und die Runde der Mädels war auch lustig. Zum Geld einnehmen gab es dann einen Losverkauf. Da hab ich dann mit den Mädels bei den ganzen Leuten Lose verkauft und selber welche erstanden. Hab hinterher zwar als Ehrengast Lose ziehen dürfen, aber hab nicht gewonnen, obwohl ich zwei Sachen unbedingt haben wollte. =(

Naja. Das Fest war sehr lustig, aber um auf die Wunden und Schrammen zurück zukommen eben mit körperlicher Anstrengung verbunden. Zumal das ganze Fest über (8 Stunden) auf dem Boden ohne Rückenlehne gesessen wurde. Zudem kam im Gottesdienst dazu, dass ich ultimativ aufs Klo musste und mitten in der Predigt nicht mehr warten konnte. Ich musste also aufstehen und wurde etwas schief angeguckt. Peinliche Sache. Auch hinterher war ich ein weiteres Mal meinen Körper von toxischen Gasen und Flüssigkeiten befreien, als ich auf der Bühne erwartet wurde. Das mit den Klogängen war also an dem Tag zeitlich nicht so optimal.

Ansonsten war das Fest echt schön und mit einigen Unterhaltungen habe ich hinterher sogar eine Einladung vom 25.-29. November (1. Advent) in einer Familie, die dort in der Nähe wohnt bekommen. Ich habe natürlich nicht nein gesagt. Ich denke das wird sehr spannend auch zu sehen, wie man in einem kleinen wirklich abgelegenen(!) Örtchen mitten in einer Familie lebt.

Die letzten Tage dann hier im Kinderheim waren dann wieder Alltag. Gestern jedoch bin ich mit einem Ehemann der Mitarbeiterinnen hier in unser kleines Örtchen hier Kaffee trinken… gegangen und wir haben uns zwei Stunden ein Billardspiel angesehen. Die Spielen hier völlig anders. Ich hab es noch nicht verstanden, auch nicht mit versuchten Erklärungen. Wenn ich soweit bin gebe ich es an euch weiter. Jedenfalls da ich dort ein paar ich denke ganz nette Jungs getroffen habe, werde ich wohl öfter versuchen dort hinzugehen. Und abends bin ich dann ebenfalls mit dem Ehemann Schach spielen und Kaffee trinken… gegangen. Ich habe die Partie durch zwei große große Fehler verloren. Dabei sah es erst so gut für mich aus und dann waren es wirklich zwei dumme dumme Fehler. Naja. Auch nur ein Spiel, aber mit vielen Zuschauern =)

Der Kaffee… ist hier im Übrigen viel leckerer als in Deutschland, falls ihr euch wundert, warum ich Kaffee trinke...

Soviel zu meiner Woche. Achja. Gestern das ganze im Örtchen war nur möglich, weil mein Deutschunterricht aufgrund einer Evaluation der Mitarbeiterinnen hier (ohne mich) ausgefallen ist. Und heute ebenfalls. So habe ich heute Zeit euch weiter zu informieren.

Das Ganze war ohne mich, weil es sich ebenfalls im Moment ändert, dass sowohl ich wie die Mitarbeiterinnen versuchen mich zu sehen wie jemandem, der Ideen einbringen kann, der auch kritisieren kann, aber keine Entscheidungen trifft, denn, wenn alle Pläne so funktionieren und langlebig funktionieren sollen über mein Jahr hinaus, dann soll ich nicht die Antriebsmaschine dahinter sein.

 

--- Abschnitt 3 ---  Geschrieben am 24. September sowie am 2. Oktober

„Endlich in Indonesien angekommen“, haben sich Wiebke und Ich noch gedacht, als der Flieger in Medan am 27. August abends landete. Zuvor hatten wir den Tag noch am Flughafen in Singapur verbracht und wiederum einen meiner Geheimtipps genutzt. Dankeschön dafür an einen lieben Mitarbeiter meines Vaters. Wir plantschten also vier Stunden lang in dem schönen Swimmingpool des Flughafenhotels herum, weil Christian schon mittags geflogen ist und wir mit ihm zum Flughafen gefahren sind. Das war schon ziemlich entspannend. Diese Entspannung löste sich jedoch innerhalb von fünf Minuten relativ schnell auf. Medan ist einfach direkt anders: Zunächst durch die Infektionsschleuse, dann erstes Immigrationsbüro, Passkontrolle, Visakontrolle, Gepäckentgegennahme (gerade rechtzeitig), viele Menschen zum Geldtauschen oder Gepäcktragen, und dann anstatt einem Schild (wie wir es erwartet haben mit „Wiebke und Dio“) zwei Schilder. Fünf Minuten, aber in meinem Kopf war es ein Chaos sondergleichen. Ich habe es nicht sortiert bekommen. Also: Wiebke wurde abgeholt von ihren GKPI-Menschen und ich wurde erstmal von der noch kurzzeitig verbliebenen Freiwilligen und einer Mitarbeiterin der VEM in Medan informiert, dass ich in ein Hotel gebracht werde und morgen dort abgeholt werde, um das VEM-Büro in Medan zu sehen und von der Gereja Kristen Protestan Simalungen (GKPS) nach Siantar gebracht zu werden.

Das lustige daran war, dass alle dachten wir hätten den ewiglangen Flug von Deutschland bis Medan hinter uns. Deshalb sollte ich mich auch eine Nacht im Hotel ausruhen, was ich natürlich tat. Vom Flug musste ich mich zwar nicht erholen aber diese fünf Minuten haben mich dermaßen umgehauen, das war nicht mehr feierlich.

Naja, auch überstanden. Am nächsten Tag wurde ich also wie geplant von der Freiwilligen abgeholt. Am Flughafen waren noch Zeiten wie 9 Uhr oder 10 Uhr im Gespräch, sodass ich laaangeee laaangeee fertig war als ich um halb 12 abgeholt wurde. Pro-Aktiv war in diesem Augenblick auch nicht so gut möglich, deswegen hat es mich ein bisschen genervt. Aber ich bin mir sicher, dass man das nicht gemerkt hat =)

Im VEM-Büro in Medan angekommen nach den ersten Verkehrseindrücken am helllichten Tag (…ein ähnliches Chaos wie bei der Ankunft am Flughafen…) wurde ich sehr freundlich, zunächst zurückhaltend empfangen. Das legte sich dann aber beim gemeinsamen Mittagessen und der anschließenden Andacht. Herzlichen Dank an dieser Stelle für alle Übersetzungen von den dortigen MitarbeiterInnen und für viele Anregungen von der Freiwilligen.

Weiter ging der Tag mit der Autofahrt nach Siantar, die gekrönt wurde durch sehr nette erste Unterhaltungen mit meinen zwei abholenden PfarrerInnen Ibu Putri und Bapak Jemmy, die beide im "Kantor Pusat" der GKPS (Generalbüro) arbeiten. Außerdem vielen kleinen für hier typisch Snacks zwischendurch: „rambutan“ (Rot-Stachelige Schale; Fruchtfleisch wie bei einer Litchi), „buamalaka“ (Ein grünes kugelförmiges Gebäck mit Kokusstücken außen und einer unbeschreibbaren Flüssigkeit innen; süß, weich, lecker) und „salak“(Eine unglaublich leckere Frucht, die eine schlangenhautartige Schale besitzt und sonst unbeschreibbar bleibt)

Wir sind kurz bei Ibu Putri zuhause vorbei gefahren, um Adventu, ihrem kleinen Sohn essen zu geben.

[Zwischeninfo: Der Junge ist wirklich sehr niedlich, hat aber nicht den besten Gesundheitszustand. Er ist oft krank und Ibu Putri und ihr Mann Bapak Daniel wissen nicht genau warum und die Ärzte konnten ihnen bislang auch nicht weiterhelfen. Zudem kann Adventu seine Beine kaum anwinkeln. Er heißt im Übrigen Adventu, weil er im Advent geboren wurde.]

Und schließlich bin ich im Kinderheim „Bumi Keselamatan Margarita“, meiner Unterkunft angekommen. Pünktlich zum Abendessen, natürlich direkt mit den Fingern, was sehr viel Spaß macht!

Die nächsten zwei Tage, weil Wochenende war, habe ich hier verbracht und mir den Alltag angeschaut. Wie ich mittlerweile weiß jedenfalls den Alltag, wenn Ferien sind. An den Tagen haben sich die Kinder nämlich absolut gelangweilt und ich habe mit ihnen Pfeil und Bogen gebaut, die später am Tag von Ibu Betty, einer der „Mütter“ hier, zerstört wurden. Hat ihr nicht gepasst. Also habe ich am nächsten Tag zwei Gruppenspiele mit ihnen gespielt. Das war der Sonntag, der sehr interessant begann. Zunächst mit Frühstück und der Ankündigung, dass um 10 Uhr „kebaktian“ (Gottesdienst) ist. Der findet, sofern keine Einladung von außen kommt, im Übrigen hier im Kinderheim statt. An diesem Sonntag begann er um 9 Uhr, denn Betty dachte sich einfach mal: Hey, wir sind doch alle schon fertig geduscht und angezogen, ich stell die Uhr einfach eine Stunde nach vorne. Das war wirklich so, ungelogen. Aber wer war natürlich um 9 Uhr noch nicht fertig geduscht und umgezogen: …Ich natürlich =)

Machte aber nichts. Betty oder die älteren Kinder halten dann sonntags hier im Übrigen eine kleine Andacht. Es kommt kein Pfarrer oder so, aber ich habe die letzten Sonntage immer in Kirchen verbracht und werde dabei bleiben, so weiß ich nicht genau wie die letzten Sonntage hier verliefen.

Nachdem das Wochenende also vorbei war, war die Beschäftigung der nächsten drei Tage jeden morgen zum „Kantor Pusat“ zu fahren, dort Ibu Putri und Bapak Jemmy zu treffen, sich natürlich zunächst dem „Ephorus“(Bischof) und dem Generalsekretär vorzustellen, von letzterem in seine Familie als sein „Bruder“ aufgenommen zu werden und so den „marga“ (Familiennamen) Purba zu erhalten.

[Zwischeninfo: Der Generalsekretär heißt Bapak Rumanja und die Aufnahme in seine Familie ist dadurch zu erklären, dass seine Frau, Ibu Leonie, meine Mentorin ist. Sie habe ich allerdings erst später in der Woche kennengelernt, aber beide sind sehr sehr lieb und wir verstehen uns sehr gut. Außerdem fahre ich jeden Sonntag mit den beiden zu den unterschiedlichen Kirchen und Plätzen innerhalb des GKPS-Gebietes, denn als Generalsekretär versucht er sie alle auf Einladung hin besuchen.]

Als Dio Purba, natürlich nicht offiziell, ging es dann jeden morgen weiter zum „Kantor Immigrasi“ (Immigrationsbüro), um dort meine Aufenthaltsgenehmigung zu vervollständigen. Das ganze Verfahren hat ein bis zwei Wochen gedauert. Dort haben wir dann zufälligerweise auch Wiebke wieder getroffen.

Des Weiteren habe ich in diesen ersten Tagen eine Nacht im Haus von Ibu Putri verbracht, bin mit ihr ihrem Mann Bapak Daniel und Bapak Jemmy auf eine „salak“-Plantage gefahren, habe ihrem Neffen, der bei ihr wohnt, in Englisch weiter geholfen und bin mit Bapak Daniel einkaufen gefahren (das erste Mal in der Stadt auf einem Roller, verkrampft natürlich =).

Ansonsten bin ich dann diese Woche zwei Tage krank geworden, vermutlich weil ich meine Wäsche im Regen gewaschen habe und mich natürlich nicht umgezogen habe, was zusammen mit Wind auch in einer Wärmeregion wie hier kein gutes Zusammenspiel ergibt. Das war dann auch der Augenblick wo ich meine Mentorin getroffen habe. Für das erste Treffen die besten Vorraussetzungen! =P

[Anmerkung heute zu Abschnitt 3: Das Mit-den-Fingern-essen ist seit dem neuen Stundenplan zusammen mit einem Löffel- und Gabeleinkauf nicht mehr erlaubt, was ich sehr schade finde. Ebenfalls habe ich kaum noch Kontakt zu Ibu Putri und Bapak Jemmy, was ebenfalls sehr schade ist, unter Anderem an meinem kaputten Handy liegt. Aber das lässt sich später, denke ich, mit größerer Sprachgewandtheit und dadurch größere Freiheiten wieder ändern.]

 

Zuletzt einfach mal zwei Bilder vom Kinderheim:

(Die Eingang und der erste Blick des Kinderheims bei der Einfahrt. Insgesamt gibt es drei Häuser, ein drittes hinter diesen Beiden. Das Rechte ist Empfangshalle, Büro, Schlafsaal für die Mädchen, sowie Lager und Schlafraum für zwei Mitarbeiterinnen und mich. Das Linke ist Aula für Spiele, Hausaufgaben und Gottesdienst, sowie Waschsaal für Mädchen und Jungen und Jungenschlafsaal, sowie Schlafraum für eine Mitarbeiterin und die älteren Kinder.) 

(Das ist der Hof hinter den beiden Häusern oben. Das rechte Haus ist noch Speisesaal, Küche und Spülecke. Der Hof ist gleichzeitig Basket- und Volleyballfeld oder je nach Bedürfnis auch für Badminton geeignet. Im absoluten Hintergrund gibt es noch ein Fußballfeld.)

 

Soviel zu mir heute,

Wieder viel zu lesen und zu sehen,

Ich wünsche Euch was,

Macht es gut,

Bis dann,

Dio

 

1, 2, ...12 Der Letzte fängt an zu schreiben

Autor: Dio | Datum: 28 Oktober 2009, 02:33 | Kommentare deaktiviert

Hallo zusammen,

ihr wisst, ich erlebe sehr gerne sehr viel und das tue ich hier auch. Aber ich bin oft faul, müde und entspanne lieber etwas mehr, als vieles niederzuschreiben. Was mich auf der einen Seite selber stört, was ich aber nur durch akute Willenskraft ändern kann.

So hört ihr jetzt zum ersten Mal von mir. Ich werde zunächst immer aktuelles schreiben und dann verschiedene Zusammenfassungen anhängen.

 

Meine letzten drei Wochen waren hoch interessant. Ich bin nun sogar auf den Tag genau seit zwei Monaten hier. Aus diesem Grund durfte ich die letzten drei Wochen ein bisschen einen neuen Deutschen, der genauso alt ist wie ich, ein bisschen einführen. Erst haben wir uns am Donnerstag, den 8. Oktober 2009, morgens früh um 8 Uhr zur Morgenandacht im Kantor Pusat (Generalbüro) der GKPS (Protestantische Simalungun Kirche) getroffen. Die GKPS ist wie eine Art Landeskirche. Sie hat mich als ihren Gast aufgenommen und eben vor drei Wochen auch den neuen Deutschen. Das mit 8 Uhr war im Übrigen kompliziert. Ich bin im Endeffekt verspätet gekommen, weil das mit den Bussen von meinem Kinderheim außerhalb der Stadt nicht so einfach ist. Das machte aber nichts. Wir haben uns getroffen, ein bisschen gequatscht, haben uns Schülerinnen, die dort gerade Praktikum machten vorgestellt und wurden beide offiziell Herzlich Willkommen geheißen. Das war eine sehr lockere, schöne und lustige Runde. Im Anschluss haben wir noch in einer Kleingruppe zusammen gesessen, sind dann in die Stadt gefahren, haben ein bisschen eingekauft, versucht Geld zu wechseln und waren Mittagessen.

 

(Tobasee)

 

Am nächsten Tag sollte außerdem ein Fest am Tobasee sein, so haben wir uns verabredet direkt am folgenden Freitag, den 9. Oktober 2009, zum See zu fahren und ihn uns anzuschauen. In einer Kleingruppe sind wir nach Parapat gefahren, haben mit der Fähre nach Samosir übergesetzt und sind ein wenig rumgefahren. Haben am Strand eines Hotels zu Mittag gegessen und den See genossen. Ebenso haben wir uns die wunderschönen traditionellen Häuser und eine Grabstätte angeguckt und waren kurz bummeln. Dann sind wir wieder zurück nach Parapat, wo am Abend ein Tanzwettbewerb stattfinden sollte. Es gab aber keinen. Das war sehr schade. Stattdessen sind wir Abendessen gegangen und haben uns kurz ein Musikschauspiel angeguckt, was keiner übersetzen konnte, weil in einer nichtverwandten Bataksprache gesprochen wurde. [Einschub: Die Batak sind ein Volk mit mehreren unterschiedlichen Sprachen. Ich meine es sind fünf. Karo, Toba, Simalungun und noch weitere. Toba und Simalungung sind wohl relativ ähnlich und, wenn man eine der beiden spricht, kann man sich verständigen. Die anderen sind auf ihre Weise anders verwandt, aber eben verschieden.] So sind wir ein bisschen enttäuscht wieder nach Hause gefahren.

Durch diese Begegnung ist die Idee gewachsen jeweils die Stelle des anderen zu besuchen. Denn ich lebe im Kinderheim "BKM", etwas außerhalb von Sianter und der neue Deutsche wohnt in Sondiraya im Wohnheim "Asrama Putri", einem Wohnheim für Schülerinnen für Mittel- und Oberschule. [Einschub: Das Indonesische Schulsystem ist wie folgt: Sechs Jahre Grundschule "SD", Drei Jahre Mittelschule "SMP" und Drei Jahre Oberschule "SMA, ansonsten für weitere Informationen über das Schulsystem -speziell allerdings für Java- von Christian >>hier<<! Lest dauzu aber auch meinen Kommentar >>hier<<!]

So habe ich die ganze letzte Woche in Sondiraya verbracht, mir das Wohnheim und die Umgebung angeguckt. Das war auch wirklich eine schöne Woche. Wir waren am Samstag auf dem Markt, was mein erstes Mal in Indonesien war. Sind am Dienstag in die unterschiedlichsten Schulen der GKPS gefahren, haben uns am Montag die älteste Kirche der GKPS des ersten Missionars August Theis angeguckt und das Grab seiner Frau besichtigt. Sie ist sehr jung gestorben und er selbst ist in Deutschland bestattet. Dann sind wir am Mittwoch zum ehemaligen Königsdorf "Rumah Bolon" von König Purba "Raja Purba" gefahren und haben uns das, sowie die Stadt und das Krankenhaus in Seribudolok, einen atemberaubenden Wasserfall bei Sepisopiso mit einer gleichfalls wunderschönen Aussicht auf den Tobasee und später weiter unterhalb den Tobasee angesehen. Ein sehr schöner Tag:

 

 (Rumah Bolon)

 

 

(Wasserfall Sepisopiso)

 

Am Donnerstag gab es außerdem noch eine Hochzeit und Freitag Fußballspielen mit den Jungs aus dem nahebei liegenden Wohnheim der Jungs "Asrama Putra".

Eine schöne Woche, für die ich sehr vielen Menschen dankbar bin.

 

Und dann bin ich am Sonntag, den 25. Oktober 2009, wieder nach Hause gefahren ins Kinderheim hier. Da gab es dann am Montag direkt eine Überraschung: Wir feiern ein Fest! Warum? Wieso? Was ist denn los? Was ist passiert? Hab ich was verpasst?

Nein, hatte ich nicht und ich weiß bis heute den Grund nicht und es gibt wohl auch keinen, aber wir haben einen Hund getötet, ausgenommen und gegessen. Das war eine hoch interessante Angelegenheit und für die Menschen hier völlig normal. Auch für die Kinder. Der Name des Hundes war Hero und die Kinder wussten, dass er sterben würde. Seine vier Lieblingskinder haben ihn sogar gefangen und sind dann zu Schule gegangen. Daraufhin habe ich den beiden Männern hier beim töten und kochen geholfen. Schmeckt reichlich zäh, aber lecker. Und ist hier eine Allgemeinmedizin für alle Krankheiten, vor allem aber für Malaria. Der Tag war sehr schön und die Kinder hatten ebenfalls sehr gute Laune. Wir haben daraufhin den üblichen Stundenplan hier über den Haufen geworfen und mit den Kindern gegessen, gespielt, gekocht und gespült.

 

So passt nun hier ganz gut die Zusammenfassung über das Essen:

-

Ein Text schon geschrieben am 17. Oktober:

Ich habe gestern zum ersten Mal zusammen mit zwei von drei Mitarbeiterinnen hier gekocht. Geht einfacher als ich dachte, ist aber eine sehr fettige, teils blutige und sehr unbequeme Angelegenheit. Zumal gestern das eineinhalb jährige Kind der Leiterin meines Kinderheims hier dabei saß und gequengelt hat. Das bedeutete zwei haben gekocht und geschnibbelt oder Goldfische ausgenommen und jeweils einer hat sich um das Kind gekümmert. Das Essen war also folgendes: Drei Goldfische, die ich gestern jedenfalls nicht auseinander genommen habe, die also lebend aufgeschnitten wurden, ihre Innereien entfernt wurden und immer noch zuckten (ob sie noch lebten weiß ich nicht). Hinterher habe ich versucht den beiden zu erklären, dass man genauso gut am Anfang den Kopf abschneiden kann und dann die Innereien raus nimmt. So muss der arme kleine Fisch nicht alles spüren. Aber lecker sind die Goldfischlis. Die werden dann in Scheiben geschnitten und in den großen Wok mit ganz viel Fett, zerhacktem Chili, Zwiebeln und Knoblauch gegeben. Hinterher kommt noch eine Chili-Tomaten-Zwiebeln-Knoblauch-Sauce drüber, auch "sambal" genannt, die im Übrigen auch scharf ist. Macht aber nichts: alles essbar und pure Gewöhnungssache. Dazu gab es natürlich Reis, (wer hätte es nicht erwartet?) und Salatblätter, die vorher aussehen wie Salat aber eher bitterer oder saurer oder so schmecken, hinterher aber zusammen mit Tofu, der hier viel gegessen wird, kleinen sehr salzigen(!) Fischen, Chili, Zwiebeln und Knoblauch im Wok vermischt und kurz gekocht wird, was alles zusammen eine Mahlzeit für etwa 30 Kinder ergibt. Wer jetzt mitdenkt: Daumen hoch. Denn 30 Kinder schließen uns nicht mit ein. Richtig. So kam es gestern dazu, weil die Kinder am aufgestellten Buffet immer zuerst nehmen und wir uns gestern nicht drum gekümmert haben, ob genug für alle da ist, dass wir nur Reis mit ein paar Salatblättern abbekommen haben. Gut, dass man vorher in der Küche schon ein bisschen genascht hat =)

Alles nicht so wild. Dass hier im Moment jedes Mal zu wenig essen da ist, liegt daran, dass unsere Leiterin erst neu seit zwei Wochen hier ist und sie mit ihrem Mann und ihrem Kind den Kreis der essensbegierigen Menschen erweitert hat. Auf der anderen Seite liegt es daran, dass unsere Köchin für Mittags, die eben auch einkauft diese Lage wohl noch nicht begriffen hat und immer noch genauso viel mitbringt wie vorher. Aber keine Sorge… ich komme durch! Es wird hier sowieso andauern gefragt, ob es mir gut geht, weil ich wohl ein wenig abnehme. Ob ich genug esse… ob ich krank bin… ob ich irgendetwas brauche… Ja so ist das hier und bei der nächsten Mahlzeit darf man sich dann nicht selber nehmen, sondern kriegt Teller vorgesetzt mit einem riesigen Haufen Reis und einer normalen Portion Fisch und Gemüse. Hallo? Wieso werden dabei die Portionen Fisch und Gemüse nicht auch aufgestockt? Reis so essen ist okay, aber irgendwann nervig.

Vielleicht übertreibe ich auch ein bisschen. Aber grob stimmt es.

[Der allgemeine Zwischeneinschub zum Essen: Das Essen ist hier gut. Vor allem vertrage ich es sehr gut, was ich nicht unbedingt erwartet habe. Scharf bleibt einiges nach wie vor, aber ich habe mich schon ganz gut angepasst. Generell wird hier also immer Reis gegessen. Und solange man nicht im sogenannten Restaurant (hier halt immer eine kleine Imbissstube) sitzt und Chinesisch ist, isst man auch Nudeln immer mit Reis zusammen und Kartoffeln mit Reis zusammen. Ist aber völlig in Ordnung. Ihr könnt es ausprobieren, wenn ihr wollt. Prinzipiell esse ich hier viel die Instant-Nudeln wie Yum-Yums zusammen mit Reis halt. Also wer Lust hat: Guten Appetit! Aber vergesst extra Chili nicht =)

Sonst gibt es eben quasi zu jeder Mahlzeit Fisch. Goldfisch, kleinen Fisch, gesalzenen Fisch, großen ungesalzenen Fisch, vor allem aber ganzen Fisch. Der Fisch wird, wenn man Glück hat, ausgenommen. Sowieso muss man aufpassen, was man von dem jeweiligen Fisch essen darf und kann und was nicht. Würden wir Fisch so in Deutschland essen, müssten wir Fische nicht im Schulunterricht extra sezieren.

Fleisch gibt es hier hauptsächlich nur als traditionelles Batakgericht "saksang". Das ist Schweinefleisch mit Schweinespeck, zusammen gekocht mit Schweineblut und verschiedenen Gewürzen, sodass es eine braune Farbe bekommt und von der Konsistenz wie Gulasch ist. Das ist eigentlich so die schärfste Speise hier. Die traditionellen Gerichte sind halt immer sehr scharf. Aber ich finde "saksang" unglaublich lecker.

Dann gibt es hier auch viel Hühnchenfleisch. Manchmal gekocht, meist aber in den Woks mit viel Fett gebraten. Dazu gibt es aber meist ein sehr leckeres Gewürz und am Ende schmeckt es richtig gut.

Als Gemüsesorten gibt es hier Möhren, Tomaten, so etwas wie Bohnen oder Bohnen, Stangensellerie oder so etwas was danach schmeckt.

Am Anfang habe ich außerdem "roti" (Brot) geschenkt bekommen, was wohl durch den Einfluss der Niederländer hier einfach Toast bedeutet. Dazu gibt es hier den Sandwichtoast-Käse, Schokostreusel oder eine klebrige Masse, die wenn mich nicht alles täuscht "gula-gula" heißt. Aber das wird hier natürlich nicht wirklich gegessen und als ich es essen musste in unserem Speiseraum, weil es ein Geschenk war und Geschenke werden gegessen(!), habe ich mich in Grund und Boden geschämt. 30 Kinder um einen herum schauen nach Schokostreuseln und Süßem, während sie Reis mit Fisch essen. Ich habe seitdem diese Situation vermeiden können. Es ist aber dennoch ganz lecker manchmal ein Milchbrötchen mit Schokostreuseln essen zu können. In der Stadt gibt es dafür einen super Laden =) ]

-

Auch das Hundefleisch haben wir zu "saksang" verarbeitet. Mittlerweile weiß ich, dass es nur darum geht das Fleisch zu kochen, aber eben mit dem Blut des Tieres. Dann nennt man es "saksang".

Ansonsten habe ich in der Woche in Sondiraya auch jeden morgen Toast mit Erdnussbutter (wow!) und Erbeermarmelade und Käse gegessen. Das war auch wieder ganz schön, aber sonst schmeckt mir das Essen hier in BKM seitdem ich wieder hier bin auch wieder zweimal besser =)

 

So. So in etwa werden meine nächsten Berichte auch aussehen. Ein bisschen Mix. Wer Fragen hat, der frage. Wer Kritik hat, der kritisiere. Ich kann bestimmt auch anders schreiben, wenn es irgendwie völlig unverständlich ist.

Ansonsten sitze ich an einem Rundbrief über mein Kinderheim und meinen gewöhnlichen Alltag. Das interessiert euch natürlich sowieso am meisten.

Kommt alles ganz bald (hoffentlich) =D

Machts gut,

bis dann,

Dio

 

Schöne Straßen in Singapur

Autor: Christian | Datum: 24 August 2009, 12:30 | Kommentare deaktiviert

Wir sind gerade in Singapur angekommen. =) Der Flug war lang und dauerte noch länger, war ermüdend ohne viel Schlaf kriegen zu können, ...

 

 

 ...war aber glücklicherweise nicht voll besetzt. So hatten wir alle drei Gangplätze und Wiebke und Dio obendrein jeweils mit einem anderen Passagier eine Dreiersitzreihe zu zweit.

Bis jetzt haben wir von unserem wunderschönen Aussichtsplatz auf der Rückbank des Taxis nur die schönen Straßen der Stadt bewundern können: Palmen und viele schöne andere Pflanzen entlang des Weges, sowie viele Autos auf der falschen Straßenseite =P

Ansonsten haben wir zu dritt ein Zimmer in einem Gästehaus am Botanischen Garten. Wir werden gleich noch von einer lieben Frau mit in die Innenstadt genommen und fahren später mit dem Bus wieder zurück. Morgen besuchen wir dann die Botschaft. Mal schauen, wies aussieht. Jedenfalls werden wir zusehen gut auszusehen, um erstmal einen positiven Eindruck zu machen.

Soviel von uns, Fotos aus Singapur folgen.

Ansonsten von uns dreien ein großes Dankeschön und ein "Wir haben Euch lieb!" an die vielen Menschen, die sich von uns (vor allem am Flughafen) verabschiedet haben.

Machts gut,

Christian, Dio (Autor) und Wiebke

 

Meine Abreise - Ein Abenteuer für sich

Autor: Dio | Datum: 19 August 2009, 11:02 | Kommentare deaktiviert

Ich hatte mich eigentlich darauf vorbereitet, dass mein Jahr ein Abenteuer wird. Nun wurde ich eines Besseren belehrt, denn schon meine Abreise gestaltete sich als eines...

 

 

Zunächst erlebte ich diesen Sommen einen richtig richtig guten

vierwöchigem Urlaub mit Freunden. Wir reisten mit einem Campingbus durch Osteuropa und am Mittelmeer entlang, immer von Wasser zu Stadt, von Restaurant und Party zu Campingplatz. Als ich dann wieder nach Hause kam, musste ich mir erst klarmachen, dass auch dieser Wohnort nur ein weiterer kurzer Etappenstop war. Diese kurz Pause Zuhause ist mittlerweile nocheinmal verlängert, weil mein Visum noch nicht fertig ist.

Dann habe ich letzten Samstag eine sehr schöne Abschiedsfeier zuhause gefeiert. Ich fand es sehr schön wieviele gekommen sind und mir ein schönes Jahr gewünscht haben. Dankeschön!

Die restliche Zeit wird totgeschlagen mit vielen Aktionen, letzten

Begegnungen und vielen Vorbereitungen. Da ist schon nochmal jede einzelne Aktivität sein eigenes Abenteuer =P

Jetzt sitze ich hier noch vor einem Berg an Kleidung, Büchern, Krams und einem Koffer, der in den nächsten Tagen noch gepackt werden muss. Gefühlt ist das nächste Abenteuer immernoch weit weg. Zeitlich fängt es in vier Tagen an. Langsam werde aber auch ich nervös... Aber ich freue mich riesig =)

Ich wünsche Euch alles Gute in Deutschland. Ihr hört von mir.

Machts Gut, Lieben Gruß!

 

 (weiter)