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1, 2, ...12 Der Letzte fängt an zu schreiben

Autor: Dio | Datum: 28 Oktober 2009, 02:33 | Kommentare deaktiviert

Hallo zusammen,

ihr wisst, ich erlebe sehr gerne sehr viel und das tue ich hier auch. Aber ich bin oft faul, müde und entspanne lieber etwas mehr, als vieles niederzuschreiben. Was mich auf der einen Seite selber stört, was ich aber nur durch akute Willenskraft ändern kann.

So hört ihr jetzt zum ersten Mal von mir. Ich werde zunächst immer aktuelles schreiben und dann verschiedene Zusammenfassungen anhängen.

 

Meine letzten drei Wochen waren hoch interessant. Ich bin nun sogar auf den Tag genau seit zwei Monaten hier. Aus diesem Grund durfte ich die letzten drei Wochen ein bisschen einen neuen Deutschen, der genauso alt ist wie ich, ein bisschen einführen. Erst haben wir uns am Donnerstag, den 8. Oktober 2009, morgens früh um 8 Uhr zur Morgenandacht im Kantor Pusat (Generalbüro) der GKPS (Protestantische Simalungun Kirche) getroffen. Die GKPS ist wie eine Art Landeskirche. Sie hat mich als ihren Gast aufgenommen und eben vor drei Wochen auch den neuen Deutschen. Das mit 8 Uhr war im Übrigen kompliziert. Ich bin im Endeffekt verspätet gekommen, weil das mit den Bussen von meinem Kinderheim außerhalb der Stadt nicht so einfach ist. Das machte aber nichts. Wir haben uns getroffen, ein bisschen gequatscht, haben uns Schülerinnen, die dort gerade Praktikum machten vorgestellt und wurden beide offiziell Herzlich Willkommen geheißen. Das war eine sehr lockere, schöne und lustige Runde. Im Anschluss haben wir noch in einer Kleingruppe zusammen gesessen, sind dann in die Stadt gefahren, haben ein bisschen eingekauft, versucht Geld zu wechseln und waren Mittagessen.

 

(Tobasee)

 

Am nächsten Tag sollte außerdem ein Fest am Tobasee sein, so haben wir uns verabredet direkt am folgenden Freitag, den 9. Oktober 2009, zum See zu fahren und ihn uns anzuschauen. In einer Kleingruppe sind wir nach Parapat gefahren, haben mit der Fähre nach Samosir übergesetzt und sind ein wenig rumgefahren. Haben am Strand eines Hotels zu Mittag gegessen und den See genossen. Ebenso haben wir uns die wunderschönen traditionellen Häuser und eine Grabstätte angeguckt und waren kurz bummeln. Dann sind wir wieder zurück nach Parapat, wo am Abend ein Tanzwettbewerb stattfinden sollte. Es gab aber keinen. Das war sehr schade. Stattdessen sind wir Abendessen gegangen und haben uns kurz ein Musikschauspiel angeguckt, was keiner übersetzen konnte, weil in einer nichtverwandten Bataksprache gesprochen wurde. [Einschub: Die Batak sind ein Volk mit mehreren unterschiedlichen Sprachen. Ich meine es sind fünf. Karo, Toba, Simalungun und noch weitere. Toba und Simalungung sind wohl relativ ähnlich und, wenn man eine der beiden spricht, kann man sich verständigen. Die anderen sind auf ihre Weise anders verwandt, aber eben verschieden.] So sind wir ein bisschen enttäuscht wieder nach Hause gefahren.

Durch diese Begegnung ist die Idee gewachsen jeweils die Stelle des anderen zu besuchen. Denn ich lebe im Kinderheim "BKM", etwas außerhalb von Sianter und der neue Deutsche wohnt in Sondiraya im Wohnheim "Asrama Putri", einem Wohnheim für Schülerinnen für Mittel- und Oberschule. [Einschub: Das Indonesische Schulsystem ist wie folgt: Sechs Jahre Grundschule "SD", Drei Jahre Mittelschule "SMP" und Drei Jahre Oberschule "SMA, ansonsten für weitere Informationen über das Schulsystem -speziell allerdings für Java- von Christian >>hier<<! Lest dauzu aber auch meinen Kommentar >>hier<<!]

So habe ich die ganze letzte Woche in Sondiraya verbracht, mir das Wohnheim und die Umgebung angeguckt. Das war auch wirklich eine schöne Woche. Wir waren am Samstag auf dem Markt, was mein erstes Mal in Indonesien war. Sind am Dienstag in die unterschiedlichsten Schulen der GKPS gefahren, haben uns am Montag die älteste Kirche der GKPS des ersten Missionars August Theis angeguckt und das Grab seiner Frau besichtigt. Sie ist sehr jung gestorben und er selbst ist in Deutschland bestattet. Dann sind wir am Mittwoch zum ehemaligen Königsdorf "Rumah Bolon" von König Purba "Raja Purba" gefahren und haben uns das, sowie die Stadt und das Krankenhaus in Seribudolok, einen atemberaubenden Wasserfall bei Sepisopiso mit einer gleichfalls wunderschönen Aussicht auf den Tobasee und später weiter unterhalb den Tobasee angesehen. Ein sehr schöner Tag:

 

 (Rumah Bolon)

 

 

(Wasserfall Sepisopiso)

 

Am Donnerstag gab es außerdem noch eine Hochzeit und Freitag Fußballspielen mit den Jungs aus dem nahebei liegenden Wohnheim der Jungs "Asrama Putra".

Eine schöne Woche, für die ich sehr vielen Menschen dankbar bin.

 

Und dann bin ich am Sonntag, den 25. Oktober 2009, wieder nach Hause gefahren ins Kinderheim hier. Da gab es dann am Montag direkt eine Überraschung: Wir feiern ein Fest! Warum? Wieso? Was ist denn los? Was ist passiert? Hab ich was verpasst?

Nein, hatte ich nicht und ich weiß bis heute den Grund nicht und es gibt wohl auch keinen, aber wir haben einen Hund getötet, ausgenommen und gegessen. Das war eine hoch interessante Angelegenheit und für die Menschen hier völlig normal. Auch für die Kinder. Der Name des Hundes war Hero und die Kinder wussten, dass er sterben würde. Seine vier Lieblingskinder haben ihn sogar gefangen und sind dann zu Schule gegangen. Daraufhin habe ich den beiden Männern hier beim töten und kochen geholfen. Schmeckt reichlich zäh, aber lecker. Und ist hier eine Allgemeinmedizin für alle Krankheiten, vor allem aber für Malaria. Der Tag war sehr schön und die Kinder hatten ebenfalls sehr gute Laune. Wir haben daraufhin den üblichen Stundenplan hier über den Haufen geworfen und mit den Kindern gegessen, gespielt, gekocht und gespült.

 

So passt nun hier ganz gut die Zusammenfassung über das Essen:

-

Ein Text schon geschrieben am 17. Oktober:

Ich habe gestern zum ersten Mal zusammen mit zwei von drei Mitarbeiterinnen hier gekocht. Geht einfacher als ich dachte, ist aber eine sehr fettige, teils blutige und sehr unbequeme Angelegenheit. Zumal gestern das eineinhalb jährige Kind der Leiterin meines Kinderheims hier dabei saß und gequengelt hat. Das bedeutete zwei haben gekocht und geschnibbelt oder Goldfische ausgenommen und jeweils einer hat sich um das Kind gekümmert. Das Essen war also folgendes: Drei Goldfische, die ich gestern jedenfalls nicht auseinander genommen habe, die also lebend aufgeschnitten wurden, ihre Innereien entfernt wurden und immer noch zuckten (ob sie noch lebten weiß ich nicht). Hinterher habe ich versucht den beiden zu erklären, dass man genauso gut am Anfang den Kopf abschneiden kann und dann die Innereien raus nimmt. So muss der arme kleine Fisch nicht alles spüren. Aber lecker sind die Goldfischlis. Die werden dann in Scheiben geschnitten und in den großen Wok mit ganz viel Fett, zerhacktem Chili, Zwiebeln und Knoblauch gegeben. Hinterher kommt noch eine Chili-Tomaten-Zwiebeln-Knoblauch-Sauce drüber, auch "sambal" genannt, die im Übrigen auch scharf ist. Macht aber nichts: alles essbar und pure Gewöhnungssache. Dazu gab es natürlich Reis, (wer hätte es nicht erwartet?) und Salatblätter, die vorher aussehen wie Salat aber eher bitterer oder saurer oder so schmecken, hinterher aber zusammen mit Tofu, der hier viel gegessen wird, kleinen sehr salzigen(!) Fischen, Chili, Zwiebeln und Knoblauch im Wok vermischt und kurz gekocht wird, was alles zusammen eine Mahlzeit für etwa 30 Kinder ergibt. Wer jetzt mitdenkt: Daumen hoch. Denn 30 Kinder schließen uns nicht mit ein. Richtig. So kam es gestern dazu, weil die Kinder am aufgestellten Buffet immer zuerst nehmen und wir uns gestern nicht drum gekümmert haben, ob genug für alle da ist, dass wir nur Reis mit ein paar Salatblättern abbekommen haben. Gut, dass man vorher in der Küche schon ein bisschen genascht hat =)

Alles nicht so wild. Dass hier im Moment jedes Mal zu wenig essen da ist, liegt daran, dass unsere Leiterin erst neu seit zwei Wochen hier ist und sie mit ihrem Mann und ihrem Kind den Kreis der essensbegierigen Menschen erweitert hat. Auf der anderen Seite liegt es daran, dass unsere Köchin für Mittags, die eben auch einkauft diese Lage wohl noch nicht begriffen hat und immer noch genauso viel mitbringt wie vorher. Aber keine Sorge… ich komme durch! Es wird hier sowieso andauern gefragt, ob es mir gut geht, weil ich wohl ein wenig abnehme. Ob ich genug esse… ob ich krank bin… ob ich irgendetwas brauche… Ja so ist das hier und bei der nächsten Mahlzeit darf man sich dann nicht selber nehmen, sondern kriegt Teller vorgesetzt mit einem riesigen Haufen Reis und einer normalen Portion Fisch und Gemüse. Hallo? Wieso werden dabei die Portionen Fisch und Gemüse nicht auch aufgestockt? Reis so essen ist okay, aber irgendwann nervig.

Vielleicht übertreibe ich auch ein bisschen. Aber grob stimmt es.

[Der allgemeine Zwischeneinschub zum Essen: Das Essen ist hier gut. Vor allem vertrage ich es sehr gut, was ich nicht unbedingt erwartet habe. Scharf bleibt einiges nach wie vor, aber ich habe mich schon ganz gut angepasst. Generell wird hier also immer Reis gegessen. Und solange man nicht im sogenannten Restaurant (hier halt immer eine kleine Imbissstube) sitzt und Chinesisch ist, isst man auch Nudeln immer mit Reis zusammen und Kartoffeln mit Reis zusammen. Ist aber völlig in Ordnung. Ihr könnt es ausprobieren, wenn ihr wollt. Prinzipiell esse ich hier viel die Instant-Nudeln wie Yum-Yums zusammen mit Reis halt. Also wer Lust hat: Guten Appetit! Aber vergesst extra Chili nicht =)

Sonst gibt es eben quasi zu jeder Mahlzeit Fisch. Goldfisch, kleinen Fisch, gesalzenen Fisch, großen ungesalzenen Fisch, vor allem aber ganzen Fisch. Der Fisch wird, wenn man Glück hat, ausgenommen. Sowieso muss man aufpassen, was man von dem jeweiligen Fisch essen darf und kann und was nicht. Würden wir Fisch so in Deutschland essen, müssten wir Fische nicht im Schulunterricht extra sezieren.

Fleisch gibt es hier hauptsächlich nur als traditionelles Batakgericht "saksang". Das ist Schweinefleisch mit Schweinespeck, zusammen gekocht mit Schweineblut und verschiedenen Gewürzen, sodass es eine braune Farbe bekommt und von der Konsistenz wie Gulasch ist. Das ist eigentlich so die schärfste Speise hier. Die traditionellen Gerichte sind halt immer sehr scharf. Aber ich finde "saksang" unglaublich lecker.

Dann gibt es hier auch viel Hühnchenfleisch. Manchmal gekocht, meist aber in den Woks mit viel Fett gebraten. Dazu gibt es aber meist ein sehr leckeres Gewürz und am Ende schmeckt es richtig gut.

Als Gemüsesorten gibt es hier Möhren, Tomaten, so etwas wie Bohnen oder Bohnen, Stangensellerie oder so etwas was danach schmeckt.

Am Anfang habe ich außerdem "roti" (Brot) geschenkt bekommen, was wohl durch den Einfluss der Niederländer hier einfach Toast bedeutet. Dazu gibt es hier den Sandwichtoast-Käse, Schokostreusel oder eine klebrige Masse, die wenn mich nicht alles täuscht "gula-gula" heißt. Aber das wird hier natürlich nicht wirklich gegessen und als ich es essen musste in unserem Speiseraum, weil es ein Geschenk war und Geschenke werden gegessen(!), habe ich mich in Grund und Boden geschämt. 30 Kinder um einen herum schauen nach Schokostreuseln und Süßem, während sie Reis mit Fisch essen. Ich habe seitdem diese Situation vermeiden können. Es ist aber dennoch ganz lecker manchmal ein Milchbrötchen mit Schokostreuseln essen zu können. In der Stadt gibt es dafür einen super Laden =) ]

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Auch das Hundefleisch haben wir zu "saksang" verarbeitet. Mittlerweile weiß ich, dass es nur darum geht das Fleisch zu kochen, aber eben mit dem Blut des Tieres. Dann nennt man es "saksang".

Ansonsten habe ich in der Woche in Sondiraya auch jeden morgen Toast mit Erdnussbutter (wow!) und Erbeermarmelade und Käse gegessen. Das war auch wieder ganz schön, aber sonst schmeckt mir das Essen hier in BKM seitdem ich wieder hier bin auch wieder zweimal besser =)

 

So. So in etwa werden meine nächsten Berichte auch aussehen. Ein bisschen Mix. Wer Fragen hat, der frage. Wer Kritik hat, der kritisiere. Ich kann bestimmt auch anders schreiben, wenn es irgendwie völlig unverständlich ist.

Ansonsten sitze ich an einem Rundbrief über mein Kinderheim und meinen gewöhnlichen Alltag. Das interessiert euch natürlich sowieso am meisten.

Kommt alles ganz bald (hoffentlich) =D

Machts gut,

bis dann,

Dio